Qigong und Yoga - die wesentlichen Unterschiede!

# Wie unterscheiden sich die beiden großen Heilsportarten des Ostens?

Wer an fernöstliche Bewegungsmethoden denkt, dem fallen in der Regel zwei Methoden ein: Yoga und Qigong. Beide Methoden zielen darauf ab, den Menschen in seine natürliche Balance zurück zu bringen und beide können alleine oder in der Gruppe mit Gleichgesinnten ausgeübt werden. Was ist nun aber der Unterschied, oder sind es nur zwei Bezeichnungen für eine Bewegungsmethode?

# Was haben die beiden östlichen Bewegungslehren gemeinsam und wo sind große Unterschiede?

Der ganz große Unterschied zwischen den beiden Methoden liegt in den Ursprungsländern China und Indien und in ihrem Bezug zu zwei verschiedenen Medizinsystemen. Beide haben aber eine ganz ähnliche Philosophie als Grundlage: die ganzheitliche Wiederherstellung einer gesunden Balance im Körper. Qigong kann als eine präventive und heilsame Methode verstanden werden, die die Erhaltung und die Verbesserung der körperlichen Funktionsweisen im Fokus hat und gleichzeitig darauf abzielt, den Geist zu stärken. Wenn der Körper in Balance ist, ist auch der Geist wach und leistungsfähig, so die Idee dahinter. Die Qigongpraxis geht auf eine jahrtausendealte Tradition zurück und ist eng mit der TCM, der traditionellen chinesischen Medizin verbunden.

Ganz ähnlich sind die Grundbausteine der indischen Bewegungslehre. Sie bringt den Körper ebenso über sehr achtsame Körperübungen in Balance und sorgt für einen Ausgleich der Energien. Angelehnt ist die Bewegungspraxis an die altindische Medizinlehre „Ayurveda“, die „Wissenschaft des Lebens“. Bei beiden Methoden sind die Bewegungsabläufe leicht, fließend und natürlich und mit ein wenig Übung für jedes Alter geeignet. Trotz ihrer Einfachheit haben die jeweiligen Übungen bei beiden Methoden eine starke Tiefenwirksamkeit zu bieten. Der ganzheitliche Ansatz ist sowohl in der indischen als auch in der chinesischen Bewegungslehre zu sehen und sorgt für ein ganzheitliches Wohlbefinden.

# Qigong

Die TCM spricht von einem natürlichen Energielevel, das wir mit unserer Geburt als unser ganz persönliches Gesundheitspotenzial zur Verfügung gestellt bekommen. Im Laufe des Lebens gibt es aber viele Faktoren, die uns auf mehreren Ebenen angreifen. Die Faktoren des modernen Lebens wie Stress, Bewegungsarmut und falsche Ernährung schwächen uns mehr und mehr und unser Körper und unser Geist geraten in eine immer stärkere Disbalance. Die weichen und meditativen Bewegungsabläufe der chinesischen Trainingsweise bringen wieder alles in eine natürliche Balance und stärken das sogenannte „Qi“, die Lebenskraft durch die Arbeit mit dem Körper, chinesisch: „Gong“. Durch das Training wird nicht nur das Wohlbefinden gesteigert, sondern auch das Immunsystem angeregt, Stress abgebaut und es werden Anspannungen abgebaut. Somit dient die Methode auch dazu, im Alltag besser auf unnagenehme Situationen reagieren zu können. Menschen, die viel geistige Arbeit vollbringen müssen, profitieren besonders von der Methode. Durch die einzelnen Übungen wird die Energie, das Qi, fließend durch den Körper geführt. Muskeln, Sehnen und Bänder werden gedehnt und geschmeidig gemacht und das Qi kann so durch den Körper an die Stellen gelangen, wo er nicht mehr in Balance ist. Dies füllt die körpereigenen Energiespender wieder auf, was ein Grund dafür ist, dass sich die Übenden nach der Praxis wieder sehr wohlfühlen. Die Praxis schließt auch Meditationen mit ein, die dazu einladen vollständig auf die innere Stimme des Körpers zu hören, den einzelnen Bewegungsabläufen nachzuspüren und sich ganz bewusst wahrzunehmen.

# Yoga

Die Harmonie des Körpers spielt bei der indischen Bewegungsmethode genauso eine Rolle wie bei der chinesischen. Im Mittelpunkt der Praxis steht der ganze Mensch, sein Geist und sein Körper und die Harmonie von Geist, Körper und Seele, was durch bestimmte Körperübungen erreicht wird. Hier sind sehr viele Ähnlichkeiten bei beiden Lehren zu finden. Das Ziel ist es, eine klare Wahrnehmung zu erreichen und in seine natürliche Balance zurückzufinden. Das sorgt dafür, dass sich Übende befreit fühlen und zurückfinden zu ihrem ursprünglichen inneren Frieden. Die einzelnen Übungen, die Asanas werden durch gezielte Atemübungen und Meditationen ergänzt und spiegeln somit auch wieder den ganzheitlichen Ansatz der Lehre. Die Auswirkungen auf den Körper und den Geist sind in vielerlei Hinsicht positiv, denn der Körper wird gestärkt, der Geist wird beruhigt und Stress und Anspannungen werden überwunden durch die Praxis. Auch hier stellt sich mit dem regelmäßigen Üben eine innere Gelassenheit ein, die die Übenden auch im Alltag begleitet und sie resistenter gegen Stress werden lässt.

# Unterschiede in der Ausführung und in der Wirkung

Es gibt auf den ersten Blick zugegebenermaßen große Ähnlichkeiten bei beiden Systemen. Aber ein ganz großer Unterschied liegt in den Bewegungsabläufen. So funktionieren beide Heilbewegungsformen auf einem gegensätzlichen Ansatz in dem Bewegungsablauf. Die indische Bewegungsform zielt darauf ab, dass bestimmte Körperstellungen erreicht und dann auch gehalten werden für eine gewisse Zeit, während die chinesische Bewegungslehre den Körper ständig im Fluss hält. Das Halten dient dazu, dass ein ganz bewusster Ausstieg aus der Hektik des Alltags gespürt werden kann. Um den Körper über einen gewissen Zeitraum in einer bestimmten Haltung halten zu können, muss man konzentriert und achtsam sein. Somit kann durch das Üben der Asanas auch eine Steigerung der Konzentrationsfähigkeit erreicht werden.

Hier bietet die chinesische Bewegungsmethode einen ganz anderen Ansatz. Schon alleine die Betonung auf der ständigen Bewegung, die den Körper im Fluss hält, und die einen Stillstand ausschließt, bietet eine deutliche Abgrenzung zu den Asanas. Ruhe und Bewegung wechseln sich ständig ab und sorgen für das fließende Gefühl, das sich durch den Übergang zwischen den Bewegungsformen einstellt. Hier kommt das chinesische Prinzip von Yin und Yang, das Dualitätsprinzip, das sich wie ein roter Faden durch die traditionellen chinesischen Lehren zieht, wieder zum Tragen.

Dieser stete Wechsel zwischen den gegensätzlichen Bewegungen, die leicht und flüssig ineinander übergehen, haben einen tiefen Sinn. Sie dienen dazu, Zusammenhänge zu erkennen, in eine totale Ruhe einkehren zu können und in den Zustand eines vertieften Bewusstseins zu gelangen. Diese ganz unterschiedlichen Bewegungsmuster und Bewegungsabläufe sind der große Unterschied zwischen den beiden Bewegungslehren aus China und aus Indien. Es gibt aber noch einen Unterschied, der Übenden erst mit der Zeit und im direkten Vergleich auffallen dürfte: die unterschiedlichen Bewegungsabläufe der Asanas sorgen alleine schon für eine herausfordernd unterschiedliche Praxis. Dies wird durch die Tatsache noch vertieft, dass es in der Yogapraxis eine breite Palette an Richtungen und Stilen gibt, denen sich geübte Yogis auch im Laufe ihrer Praxiszeit zuwenden. Ganz anders ist dies bei der Qigonglehre, denn hier wird es lieber gesehen, wenn man bei einem Lehrer und einer Praxis bleibt.

# Fazit

Beide Formen der bekannten östlichen Bewegungslehren zielen darauf ab, den Menschen ganzheitlich in seiner Entwicklung zu fördern durch eine geistig-körperlich-spirituelle Praxis, die sich in verschiedenen Körperübungen ausdrückt. Aber obwohl beide Methoden am Ende das gleiche Ziel beim Menschen haben, sind sie dennoch sehr unterschiedlich in ihrer Praxis und Ausführung. Letztlich lohnt es sich nicht, die beiden Techniken in eine Schublade zu stecken. Es gibt von beiden Formen unterschiedliche Abwandlungen und auch die einzelnen Lehrer*innen sorgen für Unterschiede in der Ausführung. Ganz generell gesprochen sollte jeder Übende seine ideale Praxis und seinen idealen Lehrer finden, so wie es am besten für ihn oder sie passt. Das entspricht im Wesentlichen der Seele beider Praktiken. Es geht bei beiden Formen immer wieder darum, das Wohlbefinden ganzheitlich zu steigern und eine Entspannung auf jeder physischen und psychischen Ebene zu erreichen.


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